Eugenik

Eugenik oder Eugenetik die Anwendung wissenschaftlicher Konzepte auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern (positive Eugenik) und den negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern (negative Eugenik). Der britische Anthropologe Francis Galton (1822–1911) prägte den Begriff. In heutiger Zeit verwendet man häufig den Begriff Public Health in ähnlicher Bedeutung.

Europaweit werden Diskussionen geführt, ob die Präimplantationsdiagnostik als eine Art angewandter negativer Eugenik anzusehen ist oder nicht. Der Deutsche Ethikrat befürwortete die Zulassung mit knapper Mehrheit.

Beim Community Screening werden genetische Tests für ganze Bevölkerungsgruppen durchgeführt, beispielsweise wurden in Zypern Untersuchungen durchgeführt, um den Anteil der Heterozygoten in der Bevölkerung zu ermitteln. In New York hat man die jüdische Bevölkerung osteuropäischer Herkunft (Ashkenazi) untersucht, die häufig unter der Tay-Sachs-Krankheit leidet. Der Grund ist eine Mutation im Gen HEXA, mit der Folge schwerer neurologischer Schäden.

Die Diskussionen, ob Communtiy Screening mit Eugenik gleichzusetzen ist, die aufgrund historischer Erfahrungen unter einem schlechten Ruf leidet, ist inzwischen verstummt. Im Gegensatz zur alten Eugenik befasst sich die moderne Humangenetik heute mit Hilfsmöglichkeiten für betroffene Personengruppen, um Reinerhaltung von Rassen oder Völkern geht es heute nicht mehr.

Link:

“Was (man) als Eugenik bezeichnet, heißt üblicherweise “Schwangerschaftsabbruch aus medizinischen Gründen”: die Abtreibung von Embryos mit genetischen oder körperlichen Defekten, die durch Gentests oder im Ultraschall entdeckt wurden. Im Jahr 2002 ließen Frauen in den G8-Ländern ein Fünftel dieser fehlerhaften Embryos abtreiben, das macht etwa vierzigtausend Abtreibungen pro Jahr. Als Folge davon sind Erbkrankheiten seltener geworden, und bestimmte genetisch bedingte Krankheiten, die durch Mutationen bei einem einzelnen Gen verursacht werden, sterben praktisch aus. In den Vereinigten Staaten kommen beispielsweise nur noch sehr wenige Kinder mit der schweren neurologischen Krankheit Tay-Sachs-Syndrom zur Welt, und in Kanada, Australien und Europa ist die Zahl neuer Fälle von zystischer Fibrose (Mukoviszidose) erheblich zurückgegangen. Mit anderen Worten: Die Eugenik hatte bereits positive Wirkungen auf Krankheitsraten und Kindersterblichkeit.”

(Frank, Lone: 2011)